Was macht eigentlich....Atef Attia?

Er war von 2014 bis 2020 als Spieler ein fester Bestandteil unserer Verbandsligamannschaft. Nun, nach Ende seines Informatikstudiums, hat Atef Attia Karlsruhe und Durlach-Aue den Rücken gekehrt. Unauffällig und geräuschlos, wie man ihn eben kennt. Im Gespräch mit Wolfgang Schmitt lässt der Tunesier seine Zeit im Oberwald Revue passieren...

1. Hallo Atef, eigentlich dachte ich, dass wir dich in dieser Saison nochmals im Aumer Dress sehen werden, aber außer in der Vorbereitung gab es keine Einsätze mehr von dir in der Runde 2020/21. Woran lag das, unabhängig vom Lockdown? 

Atef Attia: Hallo Wolfgang, zunächst einmal bedanke ich mich bei dir für das Interview. Es lag hauptsächlich daran, dass mein Studium 2020 zum Ende kam. Nach sechs lehrreichen Studienjahren in Karlsruhe (am KIT) habe ich mir selbst versprochen, mir mehr Zeit für mich und für meine Familie sowie Freunde zu nehmen, von denen ich lange weg war. Deswegen konnte ich die erste Mannschaft ab Oktober 2020 nicht mehr unterstützen. Bereits vor der Saison hatte ich mit Vorstand Rainer Rittershofer ausgemacht, dass ich gerne in der Rückrunde mitspielen könnte, falls ich einen passenden Job in Karlsruhe oder in der Umgebung finden würde.

2. Deine Studienzeit in der Fächerstadt ist seit Oktober 2020 vorbei. Wo wohnst du jetzt und was machst du beruflich? 

Atef Attia: Ich hatte die Ehre, während der letzten sechs Jahre an einer sehr guten deutschen Universität, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu studieren. Dabei habe ich mein Bachelor- und mein Master-Studium in der Fachrichtung Informatik 2018 und 2020 jeweils erfolgreich abgeschlossen. Jetzt beginnt ein neues Abenteuer, worauf ich mich sehr freue: Ich werde als "Associate Data Scientist" bei der "ProSiebenSat.1 Digital Data GmbH" in München arbeiten.

3. Seit 2014 warst du in 140 Verbandsligaspielen als Abwehr- und Mittelfeldspieler für Durlach-Aue aktiv. Wie hast du deine Zeit im Oberwald erlebt?

Atef Attia: Ich kann meine Zeit im Oberwald im Nachhinein als sehr positiv bewerten. Durch die Auswärtsspiele konnte ich Karlsruhe und die Umgebung schnell und besser kennenlernen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange für Aue spielen werde. Es lag hauptsächlich daran, dass im Oberwald eine familiäre Atmosphäre herrscht. Diese Zeit werde ich sicherlich vermissen!

4. Welches war dein schönstes, welches dein negativstes Erlebnis bei der Spielvereinigung?

Atef Attia: In sechs Jahren ist sehr viel passiert! Die schönsten Erlebnisse waren definitiv die Derbys gegen den ASV Durlach, insbesondere ein Spiel in meinen ersten Jahren, wo wir 3:3 gespielt haben. Genauso schön war das erste Jahr, in dem Patric Gondorf die Mannschaft als Trainer übernommen hat. Er hat eine neue Spielphilosophie mitgebracht. Das hat viel Spaß und Freude beim Fußballspielen gebracht! Meine negativsten Erlebnisse hatte ich in der letzten Saison, als wir gegen den Abstieg gespielt haben; mir haben da oft die Freude und der Spaß während der Spiele gefehlt.

5. Wer war dein bester Mitspieler, wer dein lustigster Kollege?

Atef Attia: Ich hatte die Chance, in diesen sechs Jahren viele Mitspieler kennenlernen zu dürfen, das ist also eine ganz schön lange Liste: Ermin Besic, Ali Dönmez, Nicolas Schiatti, Patric Becker und Sami Sadeddine waren Spieler, mit denen ich mich sehr gut verstanden und mit denen ich lange gespielt habe. Mein lustigster Kollege war definitiv der Ermin Besic (lacht). 

6. Bei wem aus der Aumer Fußballgemeinde ist, aus der Ferne gesprochen, noch ein "Dankeschön" fällig?

Atef Attia: Eigentlich bei allen! Natürlich bedanke ich mich bei Rainer Rittershofer, der mir oftmals geholfen hat, bei Thomas Kies, welcher mich in einem ersten Jahr bei Aue sehr gut aufgenommen hat, bei Patric und Rouven Gondorf, die an mich geglaubt und mich oft unterstützt haben, auch bei dir Wolfgang für den Einsatz, den du immer gezeigt hast. Und beim Betreuerteam. Schlussendlich bedanke ich mich ganz herzlich bei meinem Landsmann Kaiss Ben Hassine vom Autohaus Schmider, der mich in vielerlei Hinsicht unterstützt hat.

7. Wie siehst du die sportliche Zukunft der Spielvereinigung nach dem Absturz der letzten beiden Jahre? 

Atef Attia: Es ist natürlich schade, dass die Spielvereinigung im letzten Jahr gegen den Abstieg kämpfen musste. Ich habe aber keinen Zweifel daran, dass Rainer Rittershofer wieder die richtigen Spieler finden und sich Aue dann wieder als eine gesetzte Mannschaft in der Verbandsliga beweisen wird.

8. Wie würdest du die Spielvereinigung und den Stadtteil Durlach-Aue mit wenigen Worten charakterisieren? 

Atef Attia: Wie schon erwähnt, herrscht bei der Spielvereinigung eine familiäre Atmosphäre. Jeder kennt jeden und es wird immer geholfen! Ich habe in meiner Zeit bei der Spielvereinigung auch im Stadtteil Durlach-Aue gewohnt; es fällt mir heute sehr schwer, den Stadtteil und die Spielvereinigung zu verlassen. Ich würde also sagen: "Familiär", "lebendig" und "erholsam".

8. Du bist erst 28, da ist es eigentlich zu früh zum Aufhören, oder? Wirst du dir in München einen Verein suchen? Oder steht bei dir jetzt die Familienplanung an?

Atef Attia: Das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht, dass ich mit Fußball komplett aufhören werde bzw. kann. Ob ich in einer Mannschaft oder eher privat weiterspiele, kann ich noch nicht sagen. Es ist mir aktuell wichtig, dass ich mich beruflich, aber auch als Mensch, fortentwickle. Die Familienplanung hat noch keine Priorität bei mir, aber man weiß nie!

9. Du stammst aus Tunesien. Hattest du dort die Chance, höherklassig zu spielen, bevor du nach Deutschland gekommen bist?

Atef Attia: Ich habe mit acht Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Ich habe zuerst für ein paar Jahre in einer kleinen Mannschaft gespielt. Mit 13 bin ich zum besten Verein in Tunesien (und einem der besten Clubs in Afrika!), Espérance Sportive de Tunis EST, gewechselt. Mit 20 hat mir Espérance Tunis einen Profivertrag angeboten, den ich jedoch nicht unterschrieben habe, da ich auf Nummer sicher gehen und mein Studium unbedingt abschließen wollte. Im Nachhinein bereue ich das überhaupt nicht und bin stolz auf meinen Werdegang.

10. Abschließend habe ich noch die Frage eines pfälzischen Fußballfreundes und Journalisten an dich: Warum liegt der dreizehnmalige tunesische Meister und Pokalsieger Club Africain Tunis aktuell nur auf dem vorletzten Platz in Liga 1?

Atef Attia: Le Club Africain ist der ewige Konkurrent von Espérance Tunis. Die Derbys waren, sind und bleiben die wichtigsten Spiele in Tunesien. Ich finde es also sehr schade, dass le Club Africain aktuell auf dem vorletzten Platz liegt. Dies liegt daran, dass sie in den letzten Jahren viele administrative und finanzielle Probleme hatten. Als Espérance-Fan bin ich aber zufrieden, dass meine Mannschaft sich, wie gewohnt, auf dem ersten Platz der Liga 1 befindet.

Zum Abschluss: Danke nochmals für das Interview, Wolfgang! Ich werde die Zeit im Oberwald und in Karlsruhe sehr vermissen! Bleibt gesund und alles Gute weiterhin für alle!

Atef, auch dir vielen Dank für deine Zeit und natürlich die besten Wünsche für deine berufliche und private Zukunft! Falls du beim Traditionsclub Wacker München landen solltest, schaue ich gerne einmal an der Bezirkssportanlage Demleitnerstraße vorbei! 

ws, 13.02.2021

Fotos: Manfred Sawilla