Ehrenamt im Oberwald, Teil 2: Heute mit Dominique Wißmeier, Trainer der E3-Junioren

„1,7 Millionen Menschen engagieren sich als Ehrenamtliche oder Freiwillige für den Amateurfußball. Sie bilden die Basis der Fußballorganisation. Ihre Arbeit ist leidenschaftlich, kompetent und verantwortungsvoll.“ So lesen wir es auf der Homepage des DFB...

In einer neuen Serie wollen wir auf der lilanen Homepage und auf Facebook im Jahr 2021 in unregelmäßigen Abständen Ehrenamtsträgerinnen und Ehrenamtsträger vorstellen, die bei der Spielvereinigung aktiv sind. Heute in der virtuellen Interviewzone: Dominique Wißmeier, Coach der E3-Junioren. 

1. Servus Dominique, herzlich willkommen in meinem virtuellen Studio. Wie geht es dir im Lockdown und was willst du trinken?

Dominique Wißmeier: Hallo Wolfgang, Danke, dass ich dein Gast sein darf...Mir geht es so, wie es einem vierfachen Familienvater augenblicklich gehen kann, mit "Homeschooling" und Kinderbespaßung etc. Komm, darauf trinken wir einen Weißherbstschorle.

2. Dominique Wißmeier - dieser Name könnte einem elsässischen Maler alle Ehre machen. Kann man mit "Dominique" bei den Frauen punkten? 

DW: Ich weiß es nicht mehr so genau (lacht), aber den größten Punktgewinn habe ich ja sowieso vor knapp 12 Jahren eingefahren, als ich meine heutige Frau gefunden habe, die mir vier tolle Kinder geschenkt hat.

3. Du bist gebürtiger Pfälzer. Wann und wie führte dich dein Weg nach Durlach-Aue zur Spielvereinigung?

DW: Ich bin mit 16 Jahren nach Durlach gezogen und hier aufgewachsen. Den Sprung nach Aue, raus in den Oberwald, habe ich meiner Frau und ihrer Familie zu verdanken (Rittershofer-Crew). 

4. Du trainierst in Aue die E3-Junioren. Welchem Jahrgang gehören die Jungs an?

DW: Wir haben vor der Saison die Mannschaften extra getrennt und ich habe jetzt nur noch Jungs in den Jahrgängen 2011 und 2012 bei mir.

5. Wo liegen die Schwerpunkte in deiner Trainingsarbeit mit den Kids? 

DW: An vorderster Stelle muss immer der Spaßfaktor stehen. Aber dennoch haben wir in dieser Saison das Tempo etwas angezogen, da wir gemerkt haben, was alles in den Jungs steckt. Nur mit "über die Hütchen springen" und "um den Platz rennen" geht es leider nicht mehr. Da die Jungs gewillt sind, jedes Spiel für sich zu entscheiden, mussten wir das geordnete und schnelle Fußballspiel kindgerecht erklären und den Jungs immer wieder zeigen. Hier habe ich mit meinem neuen Trainerkollegen Stani Bergheim (früher aktiv beim Bonner SC, 1. FC Heidenheim, VfR Aalen und KSC 2) großes Glück gehabt, dass er mich als ehemaliger Bundesligaprofi seit dieser Spielzeit unterstützt. 

6. Wie lief die Saison 2020/21 für euch in der kurzen Zeit bis zur erneuten, pandemiebedingten Unterbrechung?

DW: Die Saison lief für das erste E-Jugend-Jahr hervorragend und wir sind unendlich stolz auf das, was die Jungs Woche für Woche auf den Platz gebracht haben. Wir haben alle Spiele gewonnen, bis auf eines. Da hatte ich drei wichtige Spieler nicht im Kader und zudem ging es in diesem Match gegen einen komplett älteren Jahrgang (2010). 

7. Seit Monaten ruht nun schon der Ball. Kein Training, kein Spiel - wie hält man da überhaupt den Kontakt zu seinen Schützlingen? 

DW: Das ist schon sehr schwierig. Stani Bergheim und ich haben aber an Weihnachten allen Kindern einen Besuch abgestattet (natürlich mit Maske und 1,50 Meter Abstand) und haben unseren Jungs ein Trainingsshirt und ein Handtuch zu Weihnachten überreicht. Ein paar Tage später gab es noch eine Grußkarte mit den besten Wünschen von uns Trainern an unsere Jungs, sodass Sie uns auch neben dem Fußballplatz nicht vergessen.
 
8. Was denkst du - geht es in absehbarer Zeit noch einmal weiter mit dieser Spielrunde?

DW: Nein, ich denke, dass der komplette Amateurbereich in dieser Saison kein Spiel mehr macht. Was ich als großen Frust empfinde, da die Kinder am meisten darunter leiden müssen. 

9. Wenn du könntest - was würdest du im Kinderfußball ändern? 

DW: Ich wäre dafür, dass man die Messlatte wieder ein wenig herunternimmt und dass nicht heute schon bei Hallenturnieren oder Spielen Scouts Ausschau nach talentierten fünfjährigen bis siebenjährigen Fußballern halten. Und diese dann mit Biegen und Brechen vom Heimatverein losreißen möchten. In diesem Alter ist es manchmal wichtiger, sich in seinem gewohnten Umfeld zu entwickeln. Das heißt, lieber noch bis zur D-Jugend mit seinen Klassenkameraden und Freunden zu kicken als direkt zu einem großen Verein zu gehen, wo das Kind nur eines von "vielen" ist und bei viel falschem Handling schnell die Lust am Fußballspielen verliert.

10. Bitte ergänze abschließend noch die folgenden Satzvorlagen:

Ehrenamt bedeutet für mich....

dass ich gerne sehr viel Freizeit opfere und das mit den Kindern genieße. Ab und zu ein "Danke" dafür tut uns allen gut !

Ergebnisse sind in der E-Jugend....

für die Kinder sehr wichtig, aber für uns Erwachsene sollten Sie zweitrangig sein. Hauptsache, die Kinder haben Spaß...

Mein Ex-Trainerkollege Fabio Rittershofer...

ist nicht nur der Cousin meiner Frau, sondern ein ganz feiner Mensch, der es im Fußball hätte ganz weit bringen können. Mit ihm habe ich schon in so einigen Stadien und Clubhäusern gefeiert. 

Fußball in Durlach-Aue....

ist Leidenschaft und Kameradschaft, aber auch ein wenig Verrücktheit auf und neben dem Platz...

Meine laute Stimme am Spielfeldrand....

kann ich leider nur selten regulieren, da ich mich selbst nicht als so laut wahrnehme. Ich hoffe aber, dass alle einigermaßen gut damit klarkommen...

Die Entwicklung bei meinem Lieblingsverein 1. FC Kaiserslautern....

sehe ich die letzten fünf bis zehn Jahre als sehr kritisch an! Das Ergebnis jahrelanger Misswirtschaft und persönlich ausgetragener Machtkämpfe spiegelt sich in der Tabellenplatzierung und den rückläufigen Mitgliederzahlen wider...

Dominique, besten Dank für deine Zeit und die ausführlichen Antworten. Stay safe and healthy! 

ws, 14.01.2021