(Aktiv) gegen sexualisierte Gewalt im Sport

Thomas Potschka, Ansprechperson für das Thema „Sexualisierte Gewalt“

In der Oktober-Ausgabe des Mitgliedermagazins "Sport in BW" stellte sich Thomas Potschka den Fragen von Luisa Häfner. Er ist bei der SpVgg Durlach-Aue Ansprechpartner für das Thema "Sexualisierte Gewalt".

Dieses Magazin wird herausgegeben vom Badischen Sportbund Nord, dem Badischen Sportbund Freiburg, dem Landessportverband Baden-Württemberg und dem Württembergische Landessportbund.

Hier ist ihr Artikel:

… sicher, fröhlich, einfühlsam, vertrauensvoll, informiert, sensibilisierend, dies sind Eigenschaften, die eine Ansprechperson mitbringt. Geschulte Ansprechpersonen zum Thema sexualisierte Gewalt nehmen einen hohen Stellenwert in der Präventions- und Interventionsarbeit ein und sind für alle Beteiligten von großer Bedeutung. “Ohne einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner als Anlaufstelle, der für Sorgen und Probleme ein offenes Ohr hat, läuft die Präventionsarbeit ins Leere“ (DFB o.J., S. 12). Ansprechpersonen sind interne Kontaktpersonen, die für alle Mitglieder eines Vereins sowie für Eltern und externe Stellen ansprechbar sind. Mit der Einrichtung der Position der Ansprechperson schaffen Vereine einen geschützten Rahmen, in dem sich Kinder und Jugendliche ermutigt fühlen Grenzverletzungen anzusprechen und ernst genommen werden (vgl. BDKJ Trier 2015, S.9).

Jeder Verein sollte eine (besser zwei, aufgrund gegenseitiger Unterstützung) Ansprechperson haben, die geschult ist, weiß was im Verdachtsfall zu tun ist und das Thema Prävention im Blick behält.

Die Ansprechpersonen nehmen außerdem eine Multiplikatorenrolle ein. Wichtig ist, dass hierzu die Unterstützung der Vorstandschaft vorhanden sein muss. Die Aufgabe kann sowohl von Ehrenamtlichen als auch von Hauptamtlichen wahrgenommen werden. Im besten Fall setzt sich das Team der geschulten Ansprechpersonen aus einer hauptamtlichen und einer ehrenamtlichen Person zusammen. Die Hemmschwelle, sich bei Verdacht, Vermutung, Beobachtung von Grenzverletzung, Übergriff o.ä. zu melden und Unterstützung zu suchen, soll mit Hilfe der Einrichtung einer geschulten Ansprechperson gesenkt werden.

Die Position der geschulten Ansprechperson soll die Möglichkeit bieten, dass jemand da ist, der sich mit den Abläufen im Verein in solchen Fällen auskennt und der ein offenes Ohr hat. Aus diesem Grund nimmt die geschulte Ansprechperson im Krisenplan u.U. eine wichtige Rolle ein, da sie an geeignete Fachberatungsstellen weitervermitteln kann.

Thomas Potschka ist seit einiger Zeit Ansprechperson bei der SpVgg Durlach-Aue. Heute hat er sich die Zeit genommen um uns einige Fragen zu beantworten.

Was waren eure ersten Schritte?

Zunächst haben wir damit angefangen einen Trainer- und Spielerkodex auszuarbeiten. In einem weiteren Schritt konnten wir gemeinsam Verhaltensleitlinien der Trainer und Spieler erarbeiten und in Umlauf bringen. Auch die Umsetzung von §72a, das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis von jedem Trainer an die Vereinsführung abzu geben, verlief ohne große Probleme.

Was waren die größten Hürden?

Wie so oft im Ehrenamt besteht auch bei Präventionsarbeit zu sexualisierter Gewalt das Problem Zeit, Freiwillige und Motivation für die anfallenden Aufgaben zu finden. Darüber hinaus kommt dem Thema Prävention vor sexualisierter Gewalt eine besonders hohe Sensibilität entgegen, was es nochmal erschwert. Trotz der Hürden haben wir jedoch eine entsprechende Koordination anleiten können und es geschafft einiges umzusetzen.

Wie weit seid ihr mit eurem Präventionskonzept?

Wir sind bereits recht weit mit der Umsetzung vorangekommen. Nachdem wir die ersten Schritte gemacht haben, gingen die Gedanken weiter, inwieweit wir als einer der größeren Jugendvereine (insgesamt 25 Jugendmannschaften, davon allein im Mädchenbereich 5 mit ca. 350 Spielerinnen und Spielern) noch mehr in dem Bereich machen könnten. Damals kam dann die Einladung der Sportkreisjugend Karlsruhe gerade richtig an einem Fachseminar Gesprächsführung teilzunehmen. Hier sind wir dann etwas „blauäugig“ an das Thema rangegangen und haben sofort gemerkt, dass wir uns in diesem Themenfeld noch besser aufstellen müssen. So kam es dann auch, dass ein Kollege und ich beschlossen Ansprechperson zu werden. Danach wollten wir das Wissen in unserem Verein weiterstreuen und organisierten eine Inhouse-Schulung zur Prävention von sexualisierter Gewalt mit der Sportkreisjugend und absolvierten weitere „fußballfremde“ Kurzschulungen des BADFV (z.B. Kinder stark machen (Suchtprävention), Mannschaftsführung (Konfliktmanagement), etc.).

Wie sieht euer weiteres Vorgehen aus?

Wir sind noch lange nicht am Ende angelangt. Dinge, die wir in den Schulungen gelernt haben, gilt es nun umzusetzen – Handlungsleitfaden, Veröffentlichung im gesamten Verein, das heißt das informieren aller Abteilungen und der Vorstandschaft sowie eine Bekanntmachung der Ansprechpersonen, Leitfäden und Kodizes auf dem Gelände, schwarzen Brett, Social Media, Vereinsheft etc. Darüber hinaus gilt es die Sensibilisierung aller „Wo sind die Grenzen und wie können wir vermeiden, dass diese überschritten werden sowie mögliche Maßnahmen“: Kinder, Eltern, Übungsleiter, Trainer, Betreuer und Verantwortliche voranzutreiben. Natürlich möchten wir am Thema kontinuierlich dranbleiben, die eben genannten Maßnahmen umsetzen und durch weitere Inhouse-Schulungen für die Qualität unserer Trainer und dadurch auch für den Kinder- und Jugendschutz sorgen.

Was hat dich bewogen Ansprechperson zu werden?

Die Beweggründe liegen bei mir darin, dass ich zum einen durch die Trainertätigkeit u.a. mit den Kleinsten (Bambini) zu tun habe und zum anderen darin, dass ich als Vater von zwei Jungs selbst ein Interesse daran habe, die Signale von Grenzüberschreitungen etc. sofort zu erkennen. Kinder sind neben Gesundheit und Co. das wichtigste „Gut“ unserer Zukunft und sollten demnach auch besonderen Schutz genießen.

Wir bedanken uns bei Thomas für den Einblick in das Tätigkeitsfeld einer Ansprechperson und wünschen uns, dass es eine Vielzahl der Vereine schaffen Ansprechpersonen zu etablieren, um den Kindern und Jugendlichen zukünftig sichere Orte zu bieten!


Literatur

DFB (o.J.): Kinderschutz im Verein, Frankfurt.

BDKJ (2015): Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit, Trier.

Luisa Hafner, E-Mail: l.hafner@stja.de, Tel.: 0721/91582073