Im Interview mit Wolfgang Schmitt: Mathias Kirch, Trainer der D1

Nach dem 1:1 gegen den FC Germania Friedrichstal ist unsere D1 als Vorletzter zwar sportlich abgestiegen, verbleibt aber aufgrund des Verzichts des FV Linkenheim dennoch in der Kreisliga. Anlass genug, Trainer Mathias Kirch einige Fragen zu stellen...

1. Hallo Mathias, nach dem Verzicht des FV Linkenheim bleibt die D1 der Spielvereinigung jetzt doch in der Kreisliga, obwohl man sportlich eigentlich abgestiegen wäre. Wie fällt dein Saisonfazit aus?

Das Gelbe vom Ei war unser Auftreten natürlich nicht, aber dafür, dass wir nur ein gemischtes Team aus den Jahrgängen 2005 und 2006 zur Verfügung hatten, haben wir uns ganz wacker geschlagen. Es hat sich im Endeffekt das bewahrheitet, was von Anfang an allen im Verein klar war: dass es sehr schwer werden würde, die Kreisliga zu halten! Es ist heutzutage nicht einfach, mit jüngeren Jahrgängen in der Kreisliga zu bestehen. Dort braucht man einen stabilen und (fast) komplett älteren Jahrgang, um wirklich gut mithalten zu können. Früher haben alle man mit den Spielern gespielt, die im Verein aufgezogen wurden und die zur Verfügung standen. Heutzutage versuchen aber bestimmte Vereine, von den Fördermaßnahmen des BFV oder des KSC zu profitieren und sich Spieler von dort zu holen. Das ist zwar nicht verkehrt, hat aber in dieser Form keine Zukunft. Der Erfolg ist kurzfristig und verpufft spätestens in der C- Jugend. Dies liegt daran, dass die Jungs sich verschiedenartig entwickeln.

Meiner Meinung nach ist die Entwicklung eines Spielers nicht nur vom Talent, sondern auch vom Wachstum und von den "fußballerischen Genen" abhängig. Das kommt und fängt aber erst im D1-Alter an und entwickelt sich weiter in der C-Jugend. Deswegen schaffen es bei einem sehr renommierten Verein in unserer Region sehr wenige bis gar keine Spieler von der E- bis in die A- Jugend. Die meisten Jungs werden „unterwegs“ ausgetauscht, weil die Entwicklung nicht weitergeht oder verlangsamt stattfindet.

Andererseits können Vereine wie die Spielvereinigung, die gute Jugendarbeit machen, ihre Spieler ständig weiterbilden und entwickeln, müssen sich nur punktuell verstärken. Während aus einem Jahrgang höchstens einer Profispieler wird, gibt es in dem selben Jahrgang oft ein paar Jungs, die sich zu sehr guten Landes- oder Verbandsligaspielern entwickeln können. Wir haben es also als aktueller Verbandsligist etwas einfacher, sehr gute Spieler zu finden.

Aber zurück zur Kreisliga: Diese ist leider eine Zweiklassengesellschaft geworden. Auf der einen Seite hat man Vereine, die Spieler aufziehen und formen, auf der anderen Seite Clubs, die sich Spieler aus Fördermaßnahmen oder so genannten Perspektivteams holen. Das schafft aber meist nur kurzfristigen Erfolg. Das erkennt man daran, dass diese Clubs in der A-, B- und C-Jugend entweder in der Verbands- oder Landesliga gar nicht vertreten sind oder eigenständig keine Mannschaften mehr haben, stattdessen ihr Heil in Spielgemeinschaften suchen müssen.

Leider fallen immer noch viele Eltern auf solche Vereine herein. Diese müssen dann von Clubs wie der Spielvereinigung nach der D-Jugend immer wieder neu durch unsere nachhaltige Jugendarbeit davon überzeugt werden, dass ihre Kinder bei uns eine wesentlich bessere sportliche Zukunft haben können. 

Mein Fazit also: Bei der D-Jugend nicht so viel Wert auf Erfolg legen, sondern auf Entwicklung. Die D- Jugend bildet den Übergang zum Leistungsfußball. Wir legen dort nur die Grundsteine in Sachen technischer Entwicklung. Die eigentliche Arbeit fängt erst danach an.

2. In der Vorrunde hat dein Team recht gut gepunktet, in der Rückserie nur vier Zähler geholt. Wie kam es zu diesem Einbruch?

Das lag in erster Linie an der körperlichen Entwicklung. Die älteren Spieler haben sich über den Winter körperlich schnell weiterentwickelt, sind in die Höhe geschossen und in die Breite gegangen, während wir durch unsere vielen jüngeren Spieler dann keine körperliche Durchschlagskraft mehr aufbieten konnten. Das ist der Vorteil, wenn man nur Spieler des gleichen (älteren) Jahrgangs hat. Der ältere D1-Jahrgang spielt seine Runde am Anfang der Wachstumsphase eines Jugendlichen. Dadurch kann es passieren, dass ein Spieler am Ende der Saison zwei bis drei Köpfe größer ist als am Anfang der Runde. Erschreckend, aber wahr. Darum predige ich schon immer, dass wir darauf achten müssen, komplette Jahrgänge zu entwickeln und diese nach oben zu bringen. Das gilt auch für die höheren Jahrgänge auf dem Großfeld. Spielerisches Können reicht da nicht aus und kommt gegen körperliche Überlegenheit nicht oder nur sehr schwer an. Wir haben zu einem Zeitpunkt viel gepunktet, als wir körperlich nicht weit von den anderen Mannschaften entfernt waren. In der Rückrunde waren wir dann oft spielerisch überlegen, kamen aber gegen die körperliche Überlegenheit der Gegner nicht mehr an.

3. Du übernimmst nun den Jahrgang 2006. Wie sind die Perspektiven mit diesen Jungs für die Saison 2018/19?

Auf jeden Fall besser als davor. Wir sind jetzt körperlich auf gleicher Höhe. Spielerisch haben wir uns weiter entwickelt. Ein paar Verstärkungen kamen hinzu. Dazu kommt, dass wir nun sehr viel Erfahrung sammeln konnten und die höhere Spielgeschwindigkeit der Kreisliga gewohnt sind. Wir werden sicherlich nicht um die Meisterschaft mitspielen können. Ein Mittelfeldplatz sollte aber durchaus drin sein. Um zu bestehen, bleibt nur noch eine Frage zu klären; wessen Spieler und wie viele davon entwickeln sich schneller - sowohl spielerisch als auch körperlich?

4. Wie beurteilst du insgesamt die Entwicklung im Bereich Jugendfußball in Durlach-Aue?

Ehrlich gesagt mit sehr gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sind die jüngsten Erfolge mit den Aufstiegen der A,- B- und C- Jugend überragend und eine tolle Visitenkarte für unseren Verein. Anderseits wurden andere Bereiche auf Kosten dieser Erfolge lange sehr vernachlässigt. Das sind vor allem die Zweiermannschaften, besser gesagt die jüngeren Jahrgänge.

Nüchtern betrachtet sieht das für mich wie folgt aus; diese Erfolge haben ihren Ursprung in den Jahren davor. Diese Basis wurden von Trainern geschaffen, die nicht mehr bei uns sind oder uns kürzlich verlassen haben. Sie haben wirklich super Arbeit geleistet. Leider haben sie versäumt, auch eine Nachhaltigkeit zu schaffen. Uns fehlen Teams, die stark mit einem kompletten Jahrgang agieren!

Deswegen sind wir gezwungen, im oberen Bereich jedes Jahr "kreative Bastelarbeit" zu leisten und mischen die talentiertesten Spieler aus zwei Jahrgängen zusammen. Mit Erfolg. Dann kommt aber das Folgejahr, wo nichts mehr zusammenpasst und wir wieder von vorne anfangen müssen. Alle zwei Jahre kämpfen wir dann darum, die höchste Spielklasse in Baden zu halten. Leider nicht immer mit Erfolg.

Diesem "Geflicke" versuchen wir nun, ab der neuen C2 und dem 2005er Jahrgang entgegen zu wirken, indem wir gute Spieler des gleichen Jahrgangs gezielt scouten und zu uns holen. Die Aufgabe der Trainer, die dann diese Mannschaften betreuen ist es, ihre Jahrgänge weiter gezielt und punktuell zu verstärken, indem sie noch mehr Talente zu uns bringen. Das nennt man Nachhaltigkeit. Wenn das jedes Jahr kontinuierlich weitergeführt wird und immer ein bis zwei Spieler dazukommen, dann dürfen wir auch von der dauerhaften Etablierung in den Jugend-Verbandsligen träumen. Aus eigener Kraft wäre das eine Riesenleistung für einen Verein wie den unseren. Die Zukunft sieht also sehr gut aus bei uns. Der Anfang ist bei den 2005ern gemacht.

Um unsere 2007er werden wir jetzt schon beneidet. Sie sind durch ihre Erfolge in aller Munde. Sportlich gesehen sind wir also auf dem richtigen Weg. Um diesen Weg fortzuführen und gar auszubauen und zu verbreitern, bedarf es aber finanzieller Unterstützung. Da muss dringend etwas gemacht werden. Wir wissen aber beide, dass viele kluge Köpfe mit Liebe zum Verein gerade dabei sind, Pläne zu entwickeln, um da etwas zu ändern. Und das ist gut so. Auch Jugendfußball kostet Geld, bei ca. 25 Mannschaften sowieso.

5. Einige Jahrgänge waren/sind sportlich eher schwach entwickelt. Was ist da in der Vergangenheit schief gelaufen?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Da haben viele Faktoren eine Rolle gespielt. Sicherlich hat auch die Kooperation mit der DJK etwas damit zu tun oder Trainer, die in der Vergangenheit bei uns tätig waren und nur an ihren Vorteil bzw. den ihres Kindes gedacht haben. Durch die Kooperation mit der DJK kam sicherlich viel Qualität zusammen, aber leider auch sehr viel Quantität an Spielern mit mäßigem Talent. Das hat zu einem Verdrängungskampf geführt, den die jüngeren Spieler oft leider verloren haben. Zu Zeiten, wo wir eine C4 oder B3 hatten, haben die jüngeren Jahrgänge bei den Zweierteams keine Chance gehabt, sich durchzusetzen. Sie sind dann zu anderen Vereinen gegangen, um ihre sportliche Zukunft sichern zu können. Sie fehlten uns dann später. Diese Folgen hat damals keiner bedacht oder vorausgesehen.

Des weiteren gab es vor meiner Zeit bei der D-Jugend auch Trainer, die leider nur an Ihre eigenen, im Team mitspielenden Sprösslinge gedacht haben. Um deren Entwicklung zu fördern, war ihnen jedes Mittel recht, darunter auch die Vernachlässigung anderer Spieler oder der Trainingszeiten! Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo die D Jugend nur noch einmal in der Woche trainiert hat. Das führte natürlich zu Unsicherheiten bei Spielern und deren Eltern. Diese Unsicherheit setzte bei unseren Talenten eine "Abwanderungswelle" in Gang. So kam es dann dazu, dass die Spieler, die geblieben sind, überwiegend der zweiten Reihe angehörten und leider nicht genügend Fähigkeiten besaßen, das entstandene Vakuum zu füllen.

Zum Glück gehören diese Zeiten nun der Vergangenheit an. Der neue Geist in unserer Jugendabteilung und die neue Führung lassen solche Zustände nicht mehr zu. Wir dürfen uns niemals aufs Verwalten beschränken, sondern müssen uns ständig fortentwickeln.

Visionen müssen Einzug erhalten und zugelassen werden, höhere Ziele müssen gesteckt werden. Und mit kleinen, aber stetigen Schritten muss auf deren Realisierung hingearbeitet werden. Ein wenig elitäres Denken in sportlicher Hinsicht würde uns sicherlich auch nicht schaden. Eigentlich sind wir schon eine kleine Marke geworden. Es gilt jetzt, dies auf allen Ebenen zu veredeln. Das alles zusammengenommen wird dazu führen, dass die SpVgg Durlach-Aue dauerhaft eine der tragenden Säulen der Jugendarbeit in unserer Region sein wird. Aber mal ehrlich- was ist so schlimm daran, eine Hauptrolle zu spielen?

Mathias, besten Dank für deine ehrlichen und (wie immer) "kantigen" Antworten. Ich wünsche dir eine erholsame Sommerpause.

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